KYTES

Freitag

Indie

Der bisher beste Moment des Jahres 2016 kam für KYTES im Frühjahr in Austin, Texas, als schwitzende Amerikaner beim weltgrößten Showcase-Festival South by Southwest die Tanzfläche enterten, um bei den vier atemlosen Konzerten der Band Vollgas zu geben. Zwischen Austin und dem heimischen München liegen 8.823 Kilometer, aber irgendetwas muss das junge Quartett sehr richtig machen.
Das konnte man schon Anfang des Jahres beobachten, als ihrer Song On the Run in einer Vodafone-Kampagne dabei half, schätzungsweise 100 Millionen CallYa-Tarife zu verkaufen. Doch statt der Tradition zu folgen und das Geld dafür sinnlos zu verprassen, kauften sich KYTES lieber einen eigenen Bandbus, mieteten einen Proberaum 50 Meter vom Isarstrand entfernt und spielten ihr Debütalbum namens Heads and Tales in kompletter Eigenregie ein.
Wenn man die Musik der KYTES beschreiben müsste, käme wohl so etwas wie poppiger Indie-Rock von der tanzbaren, songverliebten Sorte dabei raus, die auf Platte funkelt und live dann etwas mehr Dreck ins Haus trägt. Es heißt, Bands wie Mando Diao, Foals oder Two Door Cinema Club funktionierten so ähnlich, aber KYTES funktionieren vor allem ganz gut alleine. Freuen darüber werden sich in erster Linie Sympathisanten infekziöser Rockmusik, die klassisches Drei-Minuten-Songs-Songwriting mit eloquenten Texten verbindet.
Das Debütalbum der KYTES hat einiges zu bieten: starke, tanzbare Beats, catchige Gitarren Riffs, elektronische Klangflächen und insbesondere Vielfalt. Songs wie I Got Something, Head To Toe oder Future Kids sind zärtliche Versionen von Arschtritten, die die Band erst sich selbst und dann dem Publikum verabreicht. Auf Talk oder In The Morning werden nachdenklichere Töne angeschlagen, bei denen die Sonne trotzdem durch den Türspalt fällt.